Pflege im Wandel

Christian Platte, Geschäftsführer der Helfende Elfen, beleuchtet die wachsenden Anforderungen im Pflegebereich und die Bedeutung von Innovationen und gutem Management für die Zukunft der Pflegebranche.


? In Zeiten des demografischen Wandels wird die Nachfrage nach Betreuungsdiensten immer größer. Wie sehen Sie die langfristige Entwicklung in Ihrem Bereich und welche Trends zeichnen sich ab?

Christian Platte: 1950 standen einer Person über 65 Jahren noch 6,25 Personen gegenüber, 2022 nur noch 2,7 Personen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Dieser Trend wird sich ­fortsetzen, was den steigenden Bedarf in der Pflege- und ­Betreuungsbranche zeigt. Die Zahl der Neugründungen in ­diesem Bereich ­bestätigt dies ebenfalls. Aktuell agieren viele Dienste sehr ­regional, doch zunehmend nutzen einige Unternehmen ihr Potenzial auch auf nationaler Ebene. Ich denke, beide Modelle werden auch in Zukunft ihre Berechtigung haben. Ein weiteres Thema ist die Finanzierbarkeit. Immer mehr Beitragszahler müssen eine wachsende Zahl von Bedürftigen unterstützen. Ähnlich wie bei der Rentenversicherung entsteht eine Finanzierungslücke. Viele Anbieter stellen den Kunden mittlerweile private Rechnungen, da das Budget der Pflegeversicherung nicht mehr ausreicht. Diese Entwicklung hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und wird sich wohl nicht umkehren. Für den Kunden bedeutet das, dass künftig die private finanzielle Situation darüber entscheidet, wie viel Leistung er erhalten kann – ein Trend, den wir gerne verhindern würden.

? Die HELFENDEN ELFEN bieten eine breite Palette an Haushalts- und Betreuungsdiensten an. Wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt und welche Herausforderungen haben Sie dabei gemeistert?

Christian Platte: Als junges Unternehmen, gegründet im ­Oktober 2019, haben wir in den letzten fünf Jahren ein rasantes Wachstum erlebt. Die größte Herausforderung war, unsere ­Abläufe kontinuierlich an die steigenden Anforderungen anzupassen – insbesondere im Personalbereich, um genug Mitarbeitende zu finden, die die Nachfrage decken. Zudem mussten wir praktische Fragen zu Hard- und Software, Strukturen und Räumlichkeiten klären, um die Größe zu bewältigen, ohne die Qualität zu beeinträchtigen. Die Pandemie stellte uns ebenfalls vor Herausforderungen, die wir jedoch gut meistern konnten, da wir aufgrund unseres Angebots in dieser schwierigen Zeit weiterarbeiten durften. Im letzten Jahr haben wir zudem den nächsten Schritt gemacht und unser Einzelunternehmen in ­eine GmbH umgewandelt, um zukunftssicher aufgestellt zu sein.

Herausforderungen in der Pflege: Personal, Kosten und Vorgaben

? Die Pflegebranche steht vor vielen Herausforderungen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, mit ­denen sich Ihr Unternehmen konfrontiert sieht?

Christian Platte: Ich sehe zwei große Herausforderungen. Zum einen, ob die Nachfrage überhaupt mit einem ausreichenden ­Angebot gedeckt werden kann. Wenn Sie beispielsweise einen Platz in der Tagespflege oder stationär in einer Pflegeeinrichtung suchen, sind Wartelisten häufig die Realität. Das gilt auch für ­Betreuungsdienste. Wir investieren viel Aufwand, um ständig neue Mitarbeitende zu finden, damit wir unsere Kunden sofort bedienen können und sie nicht über Wartelisten vertrösten ­müssen. Das gelingt uns gut, doch wir wissen, dass Neukunden oft zuvor viele Absagen aufgrund von Kapazitätsengpässen ­erhalten haben. Um eine Vorstellung vom Aufwand für die ­Mitarbeitersuche zu bekommen: Über ein Viertel aller Büro­tätigkeiten entfallen auf den Bereich Recruiting. Zum anderen bleibt die Finanzierung eine Herausforderung. Zwar wurden die Budgets der Pflegeversicherung zum 01.01.2025 um 4,5 % erhöht, aber angesichts der Inflation und der allgemeinen Kostensteigerungen, denen auch wir als Unternehmen ­ausgesetzt sind, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Einige konkrete Beispiele aus der Praxis: Zum 01.01.2025 stiegen unsere KFZ-Versicherungen um 25 %. Unsere Geschäfts­bank hat je nach Buchungsposten die Preise um 20 bis 100 % angepasst, und das ist kein Einzelfall, sondern wiederholt sich jährlich in unterschiedlichem Ausmaß. Es ist daher verständlich, dass auch unsere Mitarbeitenden aufgrund des Kostendrucks nach mehr Gehalt fragen.

Hinzu kommt, dass in den nächsten drei Jahren keine Ver­änderung der Pflegeversicherung zu erwarten ist. Im Gegenzug blieb der Entlastungsbetrag seit dem 01.01.2017 bis zum 31.12.2024 bei 125,00 Euro monatlich, obwohl die Preissteigerung in diesem Zeitraum bei 26,6 % lag. Dies führt zu einem Ungleichgewicht.

Schließlich sind wir auch von den Landesvorgaben abhängig. Unsere Preisgestaltung ist an die von der Landesbehörde ­vorgegebenen Höchstpreise gebunden. Nur durch die Optimierung von Prozessen können wir Einsparungen erzielen und ­verhindern, dass wir unseren Kunden private Leistungen in ­Rechnung stellen müssen.

Wachsender Bedarf an flexibler Betreuung

? Inwiefern hat sich die Nachfrage nach flexiblen und kurzfristigen Betreuungsdiensten verändert und wie geht Ihr Unternehmen damit um?

Christian Platte: Der Bedarf wächst immer weiter. Zu beobachten ist, dass durch die größere Anbieterzahl die Kunden ­inzwischen viel aufgeklärter sind und die Leistungen genau zwischen den Anbietern vergleichen. Das war in den ersten drei Jahren noch nicht der Fall, da waren die Kunden einfach froh, ­einen Anbieter mit freien Kapazitäten zu finden. Auch die ­Leistungen und die Preisgestaltung der Anbieter haben sich stark verändert. Wo es noch vor einigen Jahren bei fast allen ­Anbietern gleiche Bedingungen gab, ist dies nun sehr vielfältig. Das bedeutet für den Kunden, genau zu vergleichen. Für uns bedeutet das, dass wir unsere Leistungen und ­Abrechnungsmodalitäten transparent erklären. Der Kunde soll merken, dass wir keine versteckten Kosten haben. Bei uns sind alle Leistungen über die Pflegeversicherung abgedeckt; es muss niemand privat etwas dazuzahlen. Dies bleibt auch unser Fokus: Das so zu kommunizieren, dass es beim Kunden ankommt. Ein Teil unseres Erfolges liegt darin, dass der Kunde nicht ­enttäuscht wird und langfristig zufrieden bleibt.

Das Thema der Abgrenzung zu anderen Anbietern ist natürlich auch bei uns relevant. Im Vergleich zur Konkurrenz stehen wir jedoch sehr gut da. Was die Flexibilität und Kurzfristigkeit betrifft, müssen wir ähnlich wie Krankenhäuser Mitarbeitende bereitstellen, die freie Kapazitäten halten, um kurzfristig auf Nachfragen reagieren zu können.

? Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle in der Pflegebranche. Wie setzen Sie moderne Technologien ein, um die Betreuung effizienter und kundenfreundlicher zu gestalten?

Christian Platte: Die Digitalisierung schreitet auch in unserem Unternehmen voran. Um unsere Abläufe noch effizienter zu gestalten, entwickeln wir aktuell eine maßgeschneiderte Software, die alle Prozesse bündelt und uns dadurch neue Potenziale eröffnet. Unser Büro ist bereits größtenteils papierfrei, und künftig möchten wir auch die ambulante Arbeit digitalisieren. Durch die neue Software sollen Einsatzzeiten und Kundenbestätigungen direkt über Handys erfasst werden, wodurch wir jährlich rund 350.000 Blätter Papier und 2,5 Tonnen Abfall einsparen können.

Leider sind auch die Pflegeversicherungen noch nicht digital gut integriert. Obwohl die Kommunikation mit Versicherten ­bereits per App funktioniert, gestalten sich die Abläufe mit den Betreuungsdiensten weiterhin umständlich. Besonders problematisch sind datenschutzrechtliche Vorschriften, die eine schnelle Bearbeitung verzögern. Wenn wir etwa kurzfristig eine Haushaltshilfe übernehmen müssen, sind wir auf eine schrift­­­­­liche Bewilligung angewiesen, die nur per Post oder Fax ­verschickt werden darf – eine unnötige Verzögerung, die der heutigen Zeit nicht mehr entspricht.

Wir würden gerne weiter digitalisieren, stoßen jedoch oft an gesetzliche Hürden, die die Umsetzung erschweren.

? Was unterscheidet HELFENDE ELFEN von anderen Anbietern in Ihrer Branche und macht Ihr Unternehmen einzigartig?

Christian Platte: Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert, besonders bei den Leistungsumfängen und Preisgestaltungen, die mittlerweile schwer vergleichbar sind. Kunden sollten genau prüfen, welche Leistungen für sie wirklich wichtig sind, da die Bedürfnisse individuell sind und der Dienstleister diese ­erfüllen sollte. Die Preisgestaltung ist zunehmend kreativ, wobei immer mehr Leistungen nicht mehr über die Pflegeversicherung, sondern privat abgerechnet werden. Beispielsweise werden 380 Euro für das Ausfüllen eines Antragsformulars oder mehrere Stunden für einen Vor-Ort-Besuch und die Vertragsunterschrift in Rechnung gestellt. Auch monatliche Servicegebühren von 90 Euro sind keine Seltenheit. Wir unterscheiden uns durch eine transparente Preisstruktur, bei der keine privaten Zusatzkosten anfallen. Niemand soll ­aufgrund finanzieller Engpässe benachteiligt werden – vor allem nicht Rentner mit kleiner Rente. Unsere Beratung und Unterstützung bei Anträgen ist kostenlos. Viele Betroffene fühlen sich im Dschungel der Pflegeversicherung überfordert und haben keinen Zugang zu wichtigen Informationen. Wir helfen, wo wir können, und übernehmen auch Aufgaben, die uns wirtschaftlich nicht immer sinnvoll erscheinen.

Unser Ziel bleibt es, die Bedürfnisse unserer Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, auch wenn es Grenzen gibt. Seit 2024 ­bieten wir kostenlose Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI an, um sicherzustellen, dass die Pflege abgesichert ist und die Ver­sicherten alle Optionen kennen. Zudem bieten wir eine flexible ­Arbeitsstruktur für unsere Mitarbeitenden, sodass sie ihre Einsätze an ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen können – ein ­Vorteil, der uns als Arbeitgeber attraktiv macht und gleichzeitig Selbstorganisation verlangt.

Kundenzufriedenheit durch persönliche Betreuung

? Wie stellt Ihr Unternehmen sicher, dass die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kunden immer im Mittelpunkt der Betreuung stehen?

Christian Platte: Trotz der hohen Kundenzahl sind wir im Büro nur ein kleines Team von fünf Personen, was unsere Kommunikation einfach, schnell und effektiv macht. Jeder kann jedes Thema bearbeiten, und uns allen ist bewusst, dass es uns ohne unsere Kunden nicht geben würde. Zufriedene Kunden bringen oft Neukunden durch Empfehlungen – die beste und kostengünstigste Werbung.

Bei Problemen sucht der Mitarbeitende immer nach einer ­Lösung für den Kunden. Sollte diese nicht sofort gefunden werden, wird der Fall im Team besprochen, und oft ergeben sich dabei neue Lösungsansätze. So lernen alle von den Ideen der ­Kollegen und können ähnliche Fälle künftig besser einschätzen.

Wir überprüfen regelmäßig unsere internen Abläufe, ins­besondere wenn Kundenwünsche nach einer anderen Vorgehensweise geäußert werden. Derzeit arbeiten wir an einem verbesserten Onboarding-Prozess für Neukunden, um sie in den ersten Wochen besser zu begleiten. Neben unseren Mitarbeitenden ist der Kunde unser wichtigstes Gut. Unsere Mitarbeitenden sind das Aushängeschild des Unternehmens, da sie direkt mit den Kunden vor Ort arbeiten. Wir legen großen Wert darauf, unsere Werte durch Gespräche und Schulungen zu vermitteln. Das Verhältnis zwischen Kunde und Mitarbeitenden ist entscheidend – neben fachlicher ­Kompetenz spielt hier auch die Persönlichkeit eine große Rolle. Wir bewegen uns im privaten Bereich des Kunden, und es geht um Verlässlichkeit, Vertrauen und ein offenes Ohr, was nur der Mitarbeitende vor Ort bieten kann.

Die Chemie zwischen Kunde und Mitarbeitendem ist wichtig: Wenn sie stimmt, verläuft alles reibungslos. Sollte es an dieser Stelle Schwierigkeiten geben, sind wir dankbar für Feedback, damit wir die passende Person finden können. Wir machen neue Kunden bereits bei der ersten Kontaktaufnahme auf diese ­Aspekte aufmerksam.

Herausforderungen bei der Abrechnung mit Pflegekassen

? Die Pflegeversicherung spielt eine wichtige Rolle in der ­Finanzierung von Pflegeleistungen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Bezug auf die Abrechnung mit den ­Krankenkassen und wie gehen Sie damit um?

Christian Platte: Wir befinden uns gerade in einem Umbruch. Die Einführung der e-Rechnung hat einige Pflegeversicherungen dazu bewegt, über digitale Lösungen nachzudenken. Leider ­verfolgt jede Versicherung einen eigenen Ansatz, was die ­Umsetzung für uns unpraktisch macht. Aufgrund der Übergangszeit stehen die Versicherungen nicht unter Druck, flächendeckend eine praktikable Lösung anzubieten, aber ich bin zuversichtlich, dass sich in den kommenden Monaten einiges ändern wird.

Parallel arbeiten wir an der Integration von Schnittstellen in unsere neue Software, um die Kommunikation mit den Pflegekassen zu erleichtern.

Datenschutzregelungen erschweren uns die bestmögliche Unterstützung der Kunden. Bei Fragen zur Abrechnung und zum Budget sind wir häufig auf die Auskünfte der Kunden oder ­deren Angehörigen angewiesen, da wir keine direkten Informationen erhalten. Wenn die Bearbeitung der Abrechnung seitens der Pflegeversicherung schneller wäre, würden wir nicht so lange ­finanziell in Vorleistung gehen müssen – aktuell dauert dies im Schnitt etwa drei Wochen.

? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten und Schulungen ­bieten Sie Ihren Mitarbeitenden an, um deren Fachwissen und ­Empathie weiter zu fördern und die Betreuungsqualität zu ­gewährleisten?

Christian Platte: Grundsätzlich müssen wir gesetzliche Vorgaben des Landes NRW erfüllen. Dazu gehören alle zwei Jahre wiederholte Erste-Hilfe-Kurse, damit unsere Mitarbeitenden im Notfall schnell helfen können – zum Glück war dies bisher noch nicht erforderlich. Ebenso ist ein aktuelles, einwandfreies Führungszeugnis Pflicht, da wir in den privaten vier Wänden der Kunden arbeiten und eine vertrauensvolle Atmosphäre erforderlich ist.

Eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen, pflege­­­­rischen oder sozialpädagogischen Bereich ist ebenfalls Voraussetzung. Falls dies nicht der Fall ist, können Mitarbeitende die nötige Qualifikation durch eine 40-stündige Fortbildung erwerben, die Themen wie altersbedingte Erkrankungen und Datenschutz behandelt.

Datenschutz und Schweigepflicht sind Themen, die jährlich in Schulungen aufgefrischt werden. Zusätzlich bieten wir weitere Fortbildungen zu relevanten Themen wie Einsamkeit oder Gewalt in der Betreuung an.

Ein offenes Ohr für unsere Mitarbeitenden ist uns sehr ­wichtig. Sie können jederzeit mit außergewöhnlichen Situationen zu uns kommen, und wir erarbeiten gemeinsam Lösungen, die sowohl die Bedürfnisse der Kunden als auch die unserer ­Mitarbeitenden berücksichtigen.

Für die Mitarbeitenden, die Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI durchführen, gibt es zusätzlich spezifische Anforderungen. Neben einer qualifizierten Ausbildung bieten wir weitere Schulungen, insbesondere zu Gesprächsführung und den pflegerischen Aspekten dieser Besuche.

? Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel in der Pflege- und Betreuungsbranche um und welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihre Mitarbeitenden langfristig zu binden?

Christian Platte: Das Problem, die richtigen Mitarbeitenden zu finden und zu halten, ist branchenübergreifend. Der Arbeitsmarkt hat sich verändert, und Bewerber können sich ihren ­Arbeitgeber aussuchen. Daher müssen wir uns als Arbeitgeber attraktiv machen. Die Rekrutierung kostet sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen.

Die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung ist ein großer Vorteil, besonders für Alleinerziehende, die diese Freiheit zu schätzen wissen. Auch Geschlecht und Alter sind bei uns kein Ausschlusskriterium – unsere älteste Mitarbeiterin ist 67 Jahre alt, fit und bei ihren Kunden sehr beliebt.

Für uns ist die Leidenschaft für die Arbeit mit Menschen ­entscheidend. Das muss der Bewerber mögen. Es ist weniger ­eine Frage der Ausbildung als der Persönlichkeit. Wir setzen bei der Auswahl auf Werte wie Verantwortungsbewusstsein, ­Hingabe und ein großes Herz. Benefits wie eine Winterfeier sind nett, aber nicht entscheidend. Ich persönlich arbeite gerne mit ­Menschen, und diese Haltung spiegelt sich in unserer ­Unternehmenskultur wider. Die persönliche Bindung, Offenheit und Ehrlichkeit sind für mich essentielle Werte. Wir begleiten ­unsere Mitarbeitenden nicht nur in guten Zeiten, sondern sind auch in schwierigen Momenten für sie da. Das schafft Vertrauen und Dankbarkeit, die unbezahlbar sind.

Diese Werte sind schwer in einer Stellenausschreibung zu vermitteln, aber im persönlichen Gespräch wird klar, worauf es uns ankommt. Die Mitarbeitenden, denen diese Werte wichtig sind, bleiben lange bei uns und machen uns zu einem attrak­tiven Arbeitgeber. Wir sind auch eine Anlaufstelle für Bewerber, die aus dem pflegerischen Bereich heraus möchten, weil die ­Belastung zu hoch ist.

Ambulante Betreuung vs. stationäre Einrichtungen

? Wie sehen Sie die Zukunft der häuslichen Pflege im Vergleich zu stationären Einrichtungen und welche Rolle spielen ­HELFENDE ELFEN in dieser Entwicklung?

Christian Platte: Beide Betreuungsformen – ambulant und ­stationär – sind unverzichtbar. Niemand möchte freiwillig in ­eine stationäre Einrichtung, und wir alle möchten so lange wie möglich zu Hause bleiben. Wir übernehmen im Haushalt und in der Betreuung Aufgaben, die unsere Kunden nicht mehr selbst erledigen können, während der ambulante Pflegedienst sich um körperliche Belange kümmert.

Diese Betreuung ist jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich, abhängig vom Gesundheitszustand des Kunden. Wenn dies nicht mehr ausreicht, kommt die stationäre Einrichtung ins Spiel. Beide Betreuungsformen werden angesichts steigender Zahlen an Bedürftigen weiterhin wachsen. Allerdings könnten ­Fachkräftemangel und Investitionslücken in stationären Einrichtungen aufgrund finanzieller Unsicherheiten die Situation verschärfen.

Trotz dieser Herausforderungen werden wir bei den HELFENDE ELFEN weiterhin alles daran setzen, unseren Kunden die bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Familien im Fokus: Unterstützung bei der Organisation

? Herr Platte, die Pflegebedürftigkeit betrifft nicht nur die ­betroffenen Personen, sondern auch ihre Familienangehö­rigen. Wie unterstützen Sie Familienangehörige bei der Organisation und Planung der Betreuung?

Christian Platte: Die Situation ist sehr individuel: Ist der ­Betroffene noch in der Lage, sich um die Organisation zu kümmern, oder übernehmen Angehörige diese Aufgabe? Wir stellen immer wieder fest, dass es viele verschiedene Varianten gibt. Wenn möglich, beziehen wir die Angehörigen in den Prozess mit ein.

Dabei liegt der Fokus auf Beratung und Aufklärung. Viele sind zu Beginn oft überfordert, wenn sie noch keinen Kontakt mit der Pflegeversicherung hatten – sei es hinsichtlich der Ansprüche, der Antragsstellung oder der verschiedenen Möglichkeiten. ­Unsere Aufklärung hilft den Angehörigen, sich in der Pflege­versicherung zurechtzufinden.

Auch wenn die Kommunikation mit dem Kunden durch ­gesundheitliche Einschränkungen schwierig wird, binden wir die Angehörigen ein. Ein enger Kontakt zu ihnen ermöglicht uns, die besten Maßnahmen für den Betroffenen zu ergreifen.

? Pflegebedürftigkeit und die Pflegeversicherung sind wichtige gesellschaftliche Themen. Wie engagiert sich Ihr Unternehmen, um das Bewusstsein für diese Themen zu stärken?

Christian Platte: Wir sind stark regional ausgerichtet. Natürlich beraten wir individuell Kunden und Angehörige, wenn diese sich bei uns melden. Darüber hinaus unterstützen wir Projekte, die eine umfassende Aufklärung über Pflegeversicherungs­ange­­bote fördern. In Lünen etwa gibt es eine Initiative der Stadt, die eine umfangreiche Broschüre erstellt hat. Diese ­Projekte ­fördern wir, unter anderem durch Werbung, um ­sicherzustellen, dass Betroffene auf diese Informationsquelle zugreifen können. Auch Kirchenblätter, die unsere Zielgruppe erreichen, nutzen wir zur Aufklärung.

Zudem schalten wir regelmäßig Anzeigen in Zeitungen, um den Menschen ihre Ansprüche näherzubringen und sie über ­Beratungsangebote zu informieren. In Kirchengemeinden und Apotheken bieten wir Vorträge an, um weitere Aufklärungs­arbeit zu leisten.

Empathie als Erfolgsfaktor in der Betreuung

? Wie gehen Sie mit der zunehmenden Konkurrenz in der ­Betreuungsbranche um und was tun Sie, um sich von anderen Anbietern abzuheben?

Christian Platte: Wir kennen unsere Stärken und bleiben unserer Haltung treu: offen und transparent, sowohl in dem, was möglich ist, als auch in dem, was nicht. Der entscheidende Unterschied zu anderen Anbietern liegt im direkten Kontakt zwischen unseren Kunden und Mitarbeitenden – sei es bei den Kunden zu Hause oder bei uns im Büro. Unsere Empathie ­spüren die Kunden dabei ganz klar. Wir können keine Wunder bewirken, aber wir gehen einen Schritt weiter, als es oft erwartet wird – und das wird von unseren Kunden geschätzt.

Diese Haltung leben wir auch gegenüber unseren Mitarbeitenden, denn auch sie haben Bedürfnisse und Wünsche, die wir ernst nehmen. Wir hoffen, dass diese Haltung sich durch das gesamte Team zieht und beim Kunden genauso ankommt.

? Abschließend, welche Vision haben Sie für die Zukunft von HELFENDE ELFEN und welche Pläne und Ziele verfolgen Sie, um Ihr Unternehmen weiter auszubauen und gleichzeitig eine hohe Qualität der Dienstleistungen zu gewährleisten?

Christian Platte: Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wir möchten Qualität bewahren und unser Wachstum stets an unsere hohen Standards anpassen. Das bedeutet, dass wir Strukturen und Abläufe kontinuierlich weiterentwickeln müssen, was nicht immer so schnell geht, wie wir es uns ­wünschen. Neben technischen Innovationen wird auch das Qualitäts­­­­­­management immer wichtiger, damit wir weiterhin „gute ­Betreuung“ auch bei zunehmender Größe sicherstellen können.

Zudem denken wir darüber nach, unser Leistungsspektrum auszubauen, um unseren Kunden noch mehr Leistungen aus ­einer Hand bieten zu können. Auch bei der Personalsuche werden wir neue Wege gehen, um das Wachstum erfolgreich zu stemmen.

Wir sind voller Ideen und freuen uns auf die kommenden ­Herausforderungen. Gemeinsam mit unserem Team sind wir ­positiv gestimmt, diese Ziele erfolgreich umzusetzen und auch in Zukunft als etablierter, zuverlässiger und vertrauenswürdiger Dienstleister in der Region anerkannt zu bleiben.